Gründe gegen die homosexuelle Ehe
15 Mai
Es gibt keine.
14 Mai
Würde es nach den Eltern dieses Landes gehen, würde das Wort “Langeweile” wohl jedes Jahr aufs Neue zum Unwort des Jahres erklärt werden. Ob es nun die Lego Steine, der Gummi Dinosaurier, die Playstation oder die Freundin ist. Man hat schon lange genug damit gespielt, sodass das Spielzeug uninteressant wird. Die natürliche Reaktion der Eltern ist: Etwas Neues muss her, damit das Kind die Fresse hält. Doch ich bin da mittlerweile anderer Ansicht.
Wird dem Kind immer wieder was hinterher geschoben, so nutzt es das ganze, wie es auf der Verpackung beschrieben wird, und wirft es dann weg, wenn es kein Spaß mehr macht. Kommt jedoch nichts Neues nach, entdeckt das Kind erst die Möglichkeiten des Teils. Eine einfache Überlegung: Warum haben vor ca. 40 Jahren die meisten Kinder ihre Freizeit noch mit Stöckern im Wald verbracht? Weil es das neue Battlefield 7645 für Wii mit lebensechten Waffen-Controller-Aufsätzen, die 37 verschiedene Schusssounds abgeben, einfach noch nicht gab. Man hatte die Auswahl zwischen “in der Ecke sitzen und sein Teddy anstarren” oder sich eine Alternative suchen, in diesem Fall “Nazis jagen”. Die Schuss Sounds konnte man selber machen und mit dem Stock was aufn Kopf zu bekommen ist 7-mal realistischer als die neue Grafik Engine.
Ich möchte hier keine konsumkritischen Reden halten, ich liebe den Geruch und das Gefühl vom Neuen, jedoch habe ich mittlerweile Angst, dass dieses dauernde Neukaufen unserer Kreativität schwer schadet. Wir geben uns nicht mal mehr die Chance wirklich zu entdecken, da wir Langeweile um jeden Preis vermeiden, dabei ist es doch gerade die, die die wirklich geilen Sachen erzeugt. Erst wenn wir uns lange genug gelangweilt haben, werden wir Kreativ, brechen aus unseren Bahnen aus, entdecken mal was neues. Um bei den Videospielen zu bleiben: Habt ihr schonmal versucht ein Spiel völlig anders zu spielen, als es der Entwickler wollte? Beim Egoshooter z.B. nicht die Gegner zu durchlöchern, sondern die Umgebung so zu verändern, dass ihr die Screenshots in einer Ausstellung aufhängen könntet oder bei Fifa vom Platz zu flüchten, ohne das es den Pixelschiri interessiert. Es klingt ziemlich bescheuert, jedoch kann so etwas der Anfang von etwas großen sein. Von einer bisher unentdeckten Karriere als Künstler bis zu einem baldigen Parkour-Profi kann alles drin sein, irgendwo muss man halt erst mal anfangen.
Ich bin mir 100% sicher, dass jeder mehr kann, als er denkt. Man muss nur erst mal zu einem bestimmten Punkt kommen, um zu erkennen, wie viel Möglichkeiten man hat, die man bisher ignoriert hat, auch wenn sie nur in euren alten Gewohnheiten drin stecken.
Ich rufe euch also alle auf: Langweilt euch, macht mal was völlig anderes. Es könnte eurem Jahr eine ganz andere Richtung geben. Es könnte euch dazu bringen euch neu zu erfinden.
20 Apr
Es ist ja nicht so, als würde ich nach Sachen suchen, über die ich mich aufregen kann. Sie finden mich! Überall! Es ist so, als würden sie darum betteln von mir Aufmerksamkeit zu bekommen. Selbst im Supermarkt brauche ich keine 10 Meter gehen, schon springt mir ein riesiges Schild ins Gesicht mit der Aufschrift:
»Mit jeden Kauf einer Packung Pömpers [Name geändert], spenden wir eine lebenswichtige Impfung für ein Kind in Afrika.«
Andersherum gesehen heißt das also, dass, wenn ich die Pömpers nicht kaufe, ein kleines Kind verrecken wird, obwohl die Impfung wahrscheinlich schon bereit steht. Wahrscheinlich hat der Arzt sie sogar schon in der Hand und wartet nur auf den erlösenden Anruf aus der Zentrale: »Er hat sie gekauft, kannst los pieksen.« Gut, vielleicht übetreibe ich gerade ein bisschen, jedoch finde ich diese Situation gar nicht sooooo abwegig. Drastischer könnte man es nur noch machen, indem man einen Mann mit einer Knarre vor das Regal stellt, der dann jedem Kind, das vorbei läuft, den Lauf an den Kopf hält, während er der Mutter ruhig erklärt, dass die Zukunft des Kindes allein von ihrer Kaufentscheidung abhängt.
Ob es nun darum geht mit Windeln wechseln Leben zu retten oder ob man sich den Regenwald groß säuft, es geht immer um das Gleiche: Am Ende soll der Konsument entscheiden ob das Individium weiterleben darf oder nicht. Sozusagen SAW für Marketing Leute.
1 Apr
Es ist faszinierend. Mittlerweile schaffe ich es nicht mehr, an dem Fernseher meiner Eltern vorbei zu laufen, ohne mich über irgendetwas aufzuregen. Diesmal war es DSDS. Natürlich könnte ich mich jetzt seitenlang über das Konzept echauffieren, das es nur bedingt um den Gesang geht und ich eigentlich ziemlich sicher bin, dass die TOP 3 schon bei der ersten Motto-Show feststehen, doch darum geht es diesmal gar nicht, sondern um den homosexuellen Kandidaten Kristof Hering, dem wegen seiner Neigung gedroht wurde. Er solle abgestochen werden, ist es nicht Wert in dieser Show zu sein. Ich schrie fast vor Wut. Was läuft hier falsch? Warum besteht diese Feindlichkeit gegenüber Randgruppen immer noch, nachdem jahrelang in Politik, Werte und Normen, Religion, Deutsch und sogar Sport bewiesen wurde, dass es keine minderwertigen Menschen gibt. Ich bin mir sogar 100% sicher, dass es bessere Menschen sind, da sie keine Morddrohungen aussprechen.
Ich verstehe euch Hasser einfach nicht, gerade wenn es um Schwule geht. Der Gedankengang bei Ausländern ist wenigstens, wenn man euren geistigen Leistungsstand beachtet, nachvollziehbar: “Der Ausländer” “besetzt” das Land und nimmt eure Arbeitsplätze weg. Vielleicht reicht euer Horizont einfach nicht für die Tatsache, dass ihr arbeitslos seid, weil ihr fett, faul und ein Nazikreuz auf euren Handrücken habt, doch wie ist der Gedankengang bei Schwulen? In welcher Hinsicht gefährden sie euch? Es ist ja nicht so, als würden sie sich durch eure Hosen bohren, wenn ihr gerade nicht hinschaut. Viel weniger verstehe ich es noch, wenn es um eine Person im Fernsehen geht, die vor der Kamera ihre Sexualität nicht mal wirklich auslebt. Ihr werdet dieser Person zur 99-prozentigen Wahrscheinlichkeit nie in eurem Leben begegnen, und wenn ein Song vom ihm im Radio laufen würde, könntet ihr, im Falle, dass er euch zu sehr an eure eigene verdrängte Homosexualität erinnert, einfach einen Knopf drücken und schon ist das Radio aus, oder sogar auf einen anderen Sender wechseln, falls ihr das Radio schon so weit bedienen könnt.
Wenn zwei Männer auf einer Parkbank sitzen und sich küssen, dann geht es euch überhaupt nichts an. Ihr habt keinerlei Recht euch persönlich angegriffen zu fühlen. Sie machen es nicht, um es euch unter die Nase zu reiben, sondern um sich gegenseitig ihre Zuneigung zu zeigen. Ihr könnt sie mit einer leichten Kopfbewegung, in eine Richtung eurer Wahl, ganz einfach aus eurem Blickfeld verschwinden lassen. Niemand zwingt euch, dort hinzusehen.
Um Kommentare vorzubeugen: Nein, ich bin nicht schwul. Mädchen sind nämlich viel weicher und riechen nach Erdbeere oder anderen leckeren Sachen. Schwitzende halb-nackte Männer erinnern mich hingegen nur daran, dass ich bald wieder Deo kaufen muss, doch wenn ich es wäre, würde ich jeden von euch Schwulenhassern einzeln besuchen, euch ins Gesicht schlagen und dann sehr unangenehme Fotos von euch mit mir machen und diese dann, für euren Umkreis sehr leicht findbar, ins Netz hochladen. Den Bohrer würde ich auch mitbringen, nur damit eure Ängste nicht völlig unbegründet waren.
PS: Wer sich weiter aufregen will: Gay-West hat die ganze Homophobie-Thematik noch etwas ausgebreitet: http://gaywest.wordpress.com/2008/01/15/seminar-nummer-1-einblicke-in-das-gedankengebaude-und-wertgefuge-des-gewohnlichen-konservativen-schwulenfeindes/
Nachtrag: Der Herr Decker hat da auch noch ein paar gute Sätze dazu geschrieben: http://www.kotzendes-einhorn.de/blog/2012-04/warum-ich-gegen-homophobie-kampfe-blechschmidt-drechsler-desperados-und-co/
25 Mrz
Schon für die Stereotyp-Bezeichnung “Türke” gehöre ich eigentlich schon mit einen Döner verprügelt, jedoch kann ich es nicht besser beschreiben. Es war Einer von der gut aussehenden und völlig durchgestylten Sorte, auf die man eigentlich immer ein bisschen neidisch ist. Sein Auftreten war jedoch ganz anders, als das was ich bisher von seine Mitstreitern erlebt hatte. Er war ruhig, in sich gekehrt, verzweifelt. Seine Scharle war gebrochen.
Es war letzten Samstag, als ich mit der Bahn zurück ins Heimatkaff fuhr. Da die Arbeitenden längst schon Zuhause, und die Feiernden längst schon in ihren Clubs waren, waren wir alleine im Wagon. Er hämmerte verzweifelt immer wieder auf sein Handy ein und klatschte es sich dann immer wieder an sein Ohr. Ein paar hoffnungsvolle Sekunden, dann die Rückkehr der Trauer in seine Augen, dann wieder das Ganze von vorne. Ich weiß nicht, wie oft er es versuchte, doch irgendwann, nach dem gefühlt 100. Versuch, erlöste ihn wohl ein Klacken, denn er begann zu sprechen:
»Hey, ich muss mit dir reden. Es geht um … uns. Ich will dich wieder sehen … Ich hab seit langen nicht mehr das gefühlt, was … Bitte, ich vermisse dich, hör mir doch zu … Das kann es doch nicht gewesen sein. Nein …«
Das letzte Wort klingt nur noch wie ein Windhauch. Er sackt zusammen. Gleichzeitig mit seinem Handy fällt auch eine Träne auf seinen Sitz, dann noch eine. Zwar kann er mit seinen Händen das Schluchzen einigermaßen zurück halten, doch die Tränen fließen weiter zwischen seinen Fingern hindurch. Noch nie war mein Leben so nah an einer Filmszene. Jetzt würde normalerweise der Filmheld fragen, was passiert ist und wie er helfen kann.
Ich steige einfach aus. Aus meinen Kopfhörern plärrt “Schwarz zu Blau” von Peter Fox und ich bin mir sicher, dass auf meinen Rücken langsam die Credits nach unten fahren. Ich stelle mir vor, wie ich beim Oscar, im Namen meines Lebens, den Preis für das beste Drehbuch entgegen nehmen soll. Während mir die Frau, die bestimmt bei ihren Schönheitschirurgen Stammkundenrabatt bekommt, versucht mir den Preis in die Hand zu drücken, flüster ich leise ins Mikrofon: „Ich nehme diesen Preis nicht an.”
Ich bin kein Filmheld, er ist kein gecasteter Quotentürke und mein Blickfeld ist auch nicht in 16:3, dank schmutziger Brille nicht einmal HD. Das wäre zu einfach.
24 Feb
Um es kurz zu machen: Quote.fm ist ein relativ neues Social Network, auf dem man, mit Hilfe von Zitaten, Artikel empfehlen kann. Das bisherige Invite System hatte Vor- und Nachteile:
Contra: Ich hatte keinen Invite Code.
Pro: Die anderen Deppen hatten auch keinen.
Die Vorteile des jetzigen Systems liegen auf der Hand: Es gibt keine Obrigkeiten mehr, die “bestimmen”, was Empfehlenswert ist. Doch die Frage ist, ob dies nicht gerade das Wunderbare an der Plattform war. Man konnte sicher sein, dass dieser elitäre Kreis (mit wenigen Ausnahmen) ein hohes Interesse am “Internet lesen” hat und so immer wieder danach strebte neue Blogs zu entdecken, die Themen von völlig neuen Seiten beleuchten oder sich auf komplett neuartige Gebiete spezialisiert haben. Es gab eine Vielfalt an Artikeln, wie ich sie noch nie gesehen hatte. Meine Angst ist nun, dass dieses tägliche Neue im Treibsand des “Mainstreames” versinkt. Ich bin dabei das beste Beispiel: Der erste Beitrag, den ich empfahl, kam von Vice. Fucking Vice, genauso gut hätte ich Amy&Pink oder Spiegel Online empfehlen können. Gehen wir nun davon aus, dass es noch mehr Deppen von meiner Sorte gibt (und die gibt es) und dramatisieren das ganze zum Worst Case Szenario hoch, so könnte die Discover Seite (sortiert nach Popularität) in spätestens einen Jahr nur noch aus den 10 immer gleichen Blogs bestehen. Man kann sich zwar auf selbiger Seite auch die letzten empfohlenen Artikel anzeigen lassen, aber da wir hier ja im Worst Case Szenario sind, würde hier eine Mischung aus Selbstempfehlungen, den 10 immer gleichen Blogs, einen kleinen Anteil an guten neuen Artikeln und, da mal wieder viele das Konzept nicht verstanden haben, irgendein Mist wie Songtexten und Tweets durch rattern. Zwar kann man den “Guten” folgen, jedoch wäre die Discover Funktion trotzdem zerstört, und das “Das Neue entdecken” würde sich so verhalten, wie als würde man jeden Tag immer die gleiche Zeitung lesen. Man hat zwar etwas gelesen, jedoch zeigt sie keine neuen überraschenden Erkenntnisse auf, bzw. zwingt einen nicht dazu, sich mit sich selbst auseinander zu setzen, denn man will einfach niemanden folgen, dessen Empfehlungen einen immer wieder ins Gesicht schlagen. Hier ist die Discover Funktion mit dem lockenden Zitat klar im Vorteil.
In Wirklichkeit möchte ich natürlich sagen, dass meine eigenen Chancen dort meinen Ruhm zu kriegen immer weiter sinken werden. Ich will damit sagen, dass man nicht unbedingt jeden Mist empfehlen sollte, nur damit sich die Profilseite füllt. Am besten sollte irgendwo auf der Startseite in großen, blinkenden und sich bewegenden Buchstaben stehen: “Choose Wisely”. Das hätte schon so manches Soziale Netzwerk gerettet.
http://quote.fm
22 Feb
Pünktlich zum dem in einen Monat stattfindenden Echo (Der größte deutsche Musikpreis™) stelle ich mir die Frage: Was soll der ganze Scheiß?
Ich habe diese ganzen Verleihungen schon damals, als ich noch in Vereine gezwungen wurde, gehasst. Hauptsächlich, weil ich selber nie einen Preis bekam. Den Sinn solcher Siegerehrungen hatte ich jedoch schon damals verstanden. Die Teilnehmer kommen zu einem Wettkampf, um selbigen gewinnen zu wollen. Die Preisvergabe danach ist dabei sozusagen nur das Sahnehäubchen für den Gewinner, die Belohnung für die verschwitzten Klamotten. Doch bei Preisverleihungen wie dem Oscar, dem Echo oder dem Deutschen “Comedy” Preis gibt es keinen ausgeschriebenen Wettkampf, an dem die Teilnehmer aktiv teilnehmen. Im Gegenteil, sie werden von anonymen Wesen auf die Bühne gevotet und ich bin mir sicher, dass sie ihre Werke nicht mal selber eingereicht haben. Während des Entstehungsprozesses hatten sie (im Idealfall) diese ganze Verleihung nicht mal im Hinterkopf.
Sie werden im Nachhinein einfach noch mal für etwas prämiert, was jeder sowieso schon seit Monaten weiß: Die Gewinner haben etwas Geiles gemacht.
In Deutschland, so habe ich das Gefühl, werden diese Ehrungen meistens nur veranstaltet, um Morgan Freeman exklusiv für 10 Minuten im ZDF sprechen zu lassen und/oder damit sich auch die deutsche Branche selber feiern kann. Noch dazu kommt, dass die Veranstalter mit dem Ticketverkauf für nicht eingeladene Zuschauer und den Verkauf der Senderechte ihre Brieftaschen gut füllen können. Ideal ist es natürlich, wenn ein Sender gleich selber solch eine Gala veranstaltet, dann kann man fast ohne Einschränkungen beliebige Fantasiesummen von Werbekunden verlangen. Deppen, die sich das ganze anschauen, gibt es laut Zuschauerzahlen genug. Es könnte ja sein, dass Mario Barth vielleicht dieses Jahr doch nicht als bester Comedian gefeiert wird.
Klar, es gibt auch gute Verleihungen, die den Nachwuchs fördern, aber diese meine ich auch nicht, die finde ich nämlich toll. Durch solche Veranstaltungen bekommen neue Talente endlich die verdiente Aufmerksamkeit und werden meistens auch noch durch Geldpreise gefördert werden. Selbige interessieren jedoch so gut wie niemanden. Denn hier fängt keine Alexandra Neldel an zu flennen wie ein Neugeborenes, weil sie endlich mal einen Preis bekommen hat, auch wenn es nur für die Tatsache ist, dass sie es einen kompletten Film ausgehalten hat sich nicht auszuziehen. Dies ist dann wahrscheinlich auch der Grund, weshalb diese ganzen Veranstaltungen so erfolgreich sind. Es gibt halt nichts Schöneres, als Promis weinen zu sehen.
20 Feb
Es war an einen gemütlichen Abend, irgendwo fern weg von allen Sorgen. Als auf einmal, ohne irgendeine Provokation, jemand mit dem Thema Fußball begann. Sofort sprangen alle darauf an. Wer wem wohin Geld gesteckt hat, ob der HSV dieses Mal absteigt und wie es denn ein mir völlig unbekannter Name in die Deutsche Mannschaft geschafft hat. Ich war das Ganze schon gewöhnt und stellte mir währenddessen vor, wer wohl beim Kampf Hai vs. Bär gewinnen würde. Doch auf einmal, kurz bevor der Bär zum finalen Schlag ansetzte, klopfte jemand von der Außenwelt an.
»Was hält’s du denn davon?«
Ich sagte wahrheitsgemäß: »Fußball interessiert mich nicht wirklich.«
»Nichtmal die WM?«
»Nope«
»Hast du denn gar kein Nationalstolz?«
Die Frage ließ mich stocken. Sie war zwar rhetorisch gemeint, denn die Runde hatte schon auf das nächste Thema geschwenkt, doch meine Gedanken blieben bei der Frage. Nationalstolz, habe ich so etwas?
Zuerst einmal: Was hat Patriotismus mit Sport zutun? So ca. 11 Leute laufen auf ein Spielfeld, verlieren, und ein ganzes Land weint. Warum? Warum ist es so schlimm, dass Menschen, mit denen ihr noch nie im Leben persönlichen Kontakt hattet, ein Spiel verlieren? Ich verstehe es einfach nicht, wie man sich einen kompletten Monat vor einem Fernseher setzen kann, ihn dann andauernd anpöbelt und dann nicht nur auf sich, sondern gleich auf ein ganzes Land stolz ist.
Ich habe noch nie jemanden sagen hören: »Mann, haben wir ne geile Verfassung. Wir können richtig stolz sein, dass unser Land so etwas hat.« Ich bin mir aber auch sicher, dass der größte Teil, der im letzten Absatz genannten Gruppe, nichtmal Art 1 bis 3 des Grundgesetzes in irgendeiner Weise vortragen kann.
Doch wem mache ich hier etwas vor? Ich bin selber auf unsere Verfassung nicht stolz. Warum sollte ich auch? Ich finde es toll, dass ich das hier bloggen kann, ohne das morgen irgendwelche Männer vor meiner Tür stehen. Wirklich! Jedoch kann ich nicht darauf stolz sein. Ich habe nichts, rein gar nichts gemacht, was Deutschland zu dem macht, was es jetzt ist. Ich habe nicht mal selbst entschieden, in Deutschland geboren zu werden. Es passierte einfach. Punkt.
Wenn ich ehrlich bin, ist mir Deutschland sogar egal. Ich hab noch nie die Nationalhymne mitgesungen, noch nie ein komplettes WM-Spiel gesehen und der einzige Gegenstand in meinem Besitz, auf dem je eine Deutschlandflagge prangte, war ein Deutschland-Trikot, welches mir meine Tante geschenkt hatte, als ich 9 war. Von mir aus könnte ich auch in Dänemark, Schweden oder Österreich leben, ohne irgendwelche Schmerzen im Herzen zu haben.
Nein, ich habe keinen Nationalstolz, aber darauf bin ich Stolz.
14 Feb
Heute Morgen wurde ich mal wieder nicht durch das Zwitschern der Vögel, sondern durch das Vögeln der Nachbarn geweckt. Heute kann also entweder Geburtstag, Gehaltserhöhungstag oder Valentinstag sein. Ein kurzer Blick auf den Kalender verriet mir, dass letzteres der Fall ist. Nun ist es schon wieder ein verdammtes Jahr her. Ich persönlich bin kein Fan von diesen “Feiertag”, und das hat zwei Gründe:
1. Ich habe nicht frei.
2. Die Liebe und ich sind übereingekommen, uns erst mal für einen unbestimmten Zeitraum aus dem Weg zu gehen.
Ich habe keinen Hass gegen Verliebte. Ich knurre sie nicht an und versuche sie auch nicht mit besonders scharfen Armorspfeilen abzuschießen. Es ist einfach dieser Kotzreflex, der durch diese ganzen, sich gegenseitig auffressenden, Paare ausgelöst wird und mich jedes Jahr aufs Neue dazu veranlasst, mich mit aller Kraft gegen die Gewalt zu wehren, die versucht mich aus dem Bett zu kriegen. Eigentlich mache ich das jeden Tag, aber an diesen Tag ganz besonders.
Ich persönlich definiere Liebe für mich so: Liebe ist, wenn man sich ein Leben ohne den anderen nicht vorstellen kann, und es sich auch gar nicht vorstellen will. Klar, dieser Satz steht garantiert schon in tausenden Abreißkalendern, und liegt diesen ganzen Gruppen, die für Unabhängigkeit kämpfen, bestimmt quer im Magen, aber ich habe bisher keinen bessere gefunden. Trotz dieser einfachen, wirklichen kurzen Definition, scheinen viele sie trotzdem nicht zu kapieren.
Im Gegenteil, es werden Pärchen gebildet, nur um am Valentinstag nicht allein zu sein. Kaum ist das Sperma an der Schenkelinnenseite nach dem nächtlichen Valentienstagssex getrocknet, sind die beiden Parteien schon wieder getrennt. Es scheint mittlerweile schon so zu sein, dass sich ein gewisser Gruppenzwang um den 14. Februar gebildet hat. Wer am erwähnten Tag alleine in die örtliche Pizzeria geht, wird komisch angeguckt und in die dunkelste Ecke gesetzt. Ich meine sogar 1 bis 2 Mal “Das ist keiner von uns” aus einer Sitzreihe gehört zu haben. Bis eine Freundin kam, dann wurde auch auf einmal sogar die Lampe über unseren Tisch repariert.
Ich verstehe nicht, warum es einen extra Tag geben muss, um die Liebe zu feiern. Sollte nicht jeder Tag einer Beziehung eine Gala sein? Habe ich vielleicht dieses ganze Beziehungsding völlig falsch verstanden?
Ich weiß es nicht, wahrscheinlich werde ich es heute auch nicht mehr herausfinden.
27 Jan
Ich las mir vorhin meinen Beitrag von gestern nochmal durch und bemerkte das ich eine gewisse Selbstzensur vorgenommen habe. Nun ist mir aber wieder eingefallen, das ich jeden Dreck machen kann den ich will und darum präsentiere ich euch nun voller Stolz:
Tosender Applaus. Der Vorhang geht auf. Zwei Stühle in der Mitte der Bühne. Gott sitzt auf den einen. Auftritt Marcel.
»Hey, Gott!«
»Hey Marcel!«
»Sag mal, bist du eigentlich nur der Christengott, weil eigentlich bin ich Atheist.«
»Das bist du so lange, bis du ein Flugzeugabsturz miterlebst, dann bist du wieder Christ.«
»Du musst auch auf alles eine Antwort haben, oder?«
»Allwissenheit ist ein Fluch und Segen zugleich.«
»Dann kannst du bestimmt auch die Frage von eben beantworten.«
»Wusstest du, dass es mehr als 120 verschiedene Religionen gibt?«
»Also bist du der Universalgott?«
»Sonst würde es hier eng werden.«
»Und warum passiert so viel Leid auf der Erde?«
»Wir sind heute aber besonders kreativ mit den Fragen, was?«
»Bring ein FAQ raus, dann haste den Stress nicht mehr.«
»Nene, das letzte Mal, als ich so etwas versucht habe, haben sie gleich “Die 10 Gebote” draus gemacht. Jedes Wort von mir haben sie in Stein gemeißelt und am Ende ist sowieso wieder alles auf mich zurückgefallen. Das mach ich nicht noch mal mit!«
»Tja, reißerisch verkauft sich halt besser«
»Ich hab mir den Typen mal weiter angeschaut. Ohne weiter darauf einzugehen: Einer seiner Nachfahren hat nen Verlag gegründet und es ist nicht unbedingt besser geworden.«
»Gute Überleitung, also warum das Elend Gott?«
»Ich nehm da immer gern dem Vergleich mit euern Ameisen: Ihr wisst, dass sie da sind, ihr füttert sie vielleicht auch manchmal aus Spaß, aber ihr werdet garantiert nichts machen, wenn sich da zwei gegenseitig den Kopf abhacken.«
»Den Vergleich erzählst du auch öfters, oder? Den hab ich schon ein bis zwei Mal gelesen.«
»Weißt du wie viele von euch Pappenheimern hier täglich hochkommen. Ich hab da doch schon mal überlegt ein Tonband aufzunehmen, aber was soll man sonst den ganzen Tag machen, außerdem kann man die meisten von euch ganz gut verbloggen.«
»Du bloggst?«
»Ja, kennste Amy and Pink? Manchmal übernehm ich den Winatschek und blogge, was mir gerade vorgeheult wurde.«
»Du bist aber nicht grade Mr. Nice, oder?«
»Ach, hör mir doch auf. Versuch du mal kein Zyniker zu werden nach ein paar Tausend Jahre Menschheit. Manchmal bereue ich das mit dem Adam.«
»Ach, das gabs wirklich?«
»Wie gesagt, irgendwie muss man ja den Tag rum kriegen.«
»Hmmm, wo du recht hast, hast du recht. Ich glaub ich muss dann auch mal wieder. Kannst mich ja anrufen, wenn du mal wieder auf der Erde vorbei schaust, können wir einen Trinken gehen«
»Joah, können wir machen«
Der Vorhang fällt. Standing Ovation. Sämtliche Darsteller des Stückes sterben noch in derselben Nacht während einer Koksparty.